Cochenille

Hummeldistel (Foto: Jutta)
Transportarbeiterin (Foto: Jutta)
Etagenwohnung in ruhiger Lage (Foto: Wilfried)
Feldlerche (Foto: Wilfried)
Smaragd-Eidechse (Foto: Wilfried)
See-Sternchen (Foto: Guido)
Seeigel mit Nachbar (Foto: Guido)
Fischurlaub (Foto: Guido)
Grünspanner (Foto: Gisela)
Spinne (Foto: Gisa)
Opuntie mit Läusen (von Gisela)
Opuntie mit Läusen (von Gisela)
Unten links wartet ein kleiner Marienkäfer auf das sein Hunger stärker wird - angreifen liegt ihm anscheinend noch fern. Immerhin ist die Laus um ein Vielfaches größer als er selbst.

Diese Schild-Laus lebt auf den Opuntien (Nopal); beide stammen aus Mexiko.Schon von Weitem sieht man den Befall - weiße Puderstellen signalisieren: hier sind wir! Die Tierchen können sich erlauben, so sichtbar zu leben: es gibt keine Feinde - außer ab und zu mal ein Marienkäfer auf Urlaub. Wir Menschen, die sie einmal sammelten, sind keine Bedrohung mehr. Utensilien dazu sieht man ab und zu an Wänden der Restaurants als Antiquität ausgestellt. Ein selbstgebastelter Schaber, Holzstiel und vorne quer meist ein Stück feuerverzinktes Blech, dazu eine Sammelbox unterschiedlichster Ausführungen. Diese mühsame Arbeit war nur kurze Zeit so rentabel, dass ganze Felder zu Plantagen wurden. Mala war einmal die Hochburg. Heutzutage ist das Trocknen der Laus nur noch ein Zubrot, meist von Frauen nebenbei erledigt. Der Nopal-Kaktus wächst wild, wird aber auch kultiviert.

Für 900.000 €  wurde in Mala eine Fabrik errichtet, um die Läuse der Opuntien an Ort und Stelle selbst zu roter Farbe zu verarbeiten. Sie ist noch nicht in Betrieb genommen worden, weil (nach einem TV-Bericht - arte, global - zufolge) ein Ersatzteil fehlt. Außerdem suchen die Verantwortlichen hier eine private Firma "mit Ahnung".... Derweil: inseltypisch, man ergibt sich in sein Schicksal und unterichtet die Kinder, damit das Wissen "wie" wenigstens nicht verlohren geht.

Karmin ist ein organischer roter Farbstoff. Heute findet er noch Verwendung in Lippenstiften und z.B. in Campari, Limonaden und Zuckerkram. Kurz: in zum menschlichen Verzehr freigegebenen Produkten.

Es handelt sich um Calzium- und Aluminiumsalze der Karminsäure. Der Begriff kommt aus dem Arabischen: ERMES für Scharlachbeere. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Karmoisin, Karmesin, Cochenille (Koschenille). Für den Farblack finden sich außerdem Bezeichnungen wie Florentiner Lack, Kugellack, Münchner Lack, Pariser Lack oder Wiener Lack. Der mit diesem Farbstoff erzielte Farbton wird auch als Scharlachrot bezeichnet.

Textilien werden nur noch im Orient damit gefärbt - aber neuerdings sind wunderschöne Produkte auf dem Haría-Markt zu bewundern.

Die Spanier benutzen als erste dieses Färbemittel ab 1526. Als "pflanzlich" galt er, bis 1725 ein Holländer mal eine Laus obduzierte und sie als "organisch" einstufte. Wie jede vernünftige Blattlaus saugt sie an der Wirtspflanze. Die Männchen sind richtig hübsche - weil karminrot und besitzen Flüüüügel. Also der Porsche unter den Läusen. Die Weibchen sind leider grau und müssen laufen, aber nach der Paarung dürfen sie weiterleben - die Herren nicht. Also ein schnelles Leben auf der Überholspur.... Die Larven sind die Farbstofflieferanten, sie werden von den Weibchen 14 Tage lang Eierlegenderweise produziert. 140.000 Larven ergeben ein Kilogramm. Drei bis vier Kilo ergattert die geübte Sammlerin pro Tag. Mit einem Hektar Kaktuspflanzung kann man ca. 300kg ernten, pro Jahr.

Im 18.Jhd. wurde auch das Monopol der Mexikaner erschüttert und Opuntien und die Tierchen eroberten Indien, Afrika, Spanien, Frankreich und 1853 auch die Kanaren.

1974 wurden noch 37.600 kg Cochenille exportiert, Lanzarote und Teneriffa zusammen, Marktwert immerhin 2,4 Mill. D-Mark. Bedenkt man, daß die Tierchen sind getrocknet sind, Transportkosten und Zwischenhändler die Hand aufhalten, dann bleibt beim Züchter nicht mehr viel. Aus 1kg Larven ergiebt sich 50g Karmin, ergo 15kg Farbe pro Hektar Kakteen.Ich bleibe wohl beim Tee.

Der Nopal-Kaktus (Feigenkaktus) ist gesund. In Mexiko wird die Heilkraft des Feigenkaktus seit Jahrhunderten bei der Bevölkerung geschätzt. Man erntet die Blätter, befreit sie von den Stacheln, trocknet sie, hackt sie in kleine Stücke, kocht sie und trinkt den Tee für ein längeres Leben. Schlaue Laus.